Chelidonium majus L. – Das Schöllkraut: Nutzen, Verwendung und Vorsichtsmaßnahmen
Chelidonium majus L., besser bekannt als Schöllkraut, ist eine faszinierende Pflanze mit einer langen Geschichte in der Volksmedizin. Es gehört zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) und ist leicht an seinem charakteristischen orange-gelben Milchsaft zu erkennen, der beim Brechen des Stängels austritt. Trotz seiner traditionellen Verwendung ist Vorsicht geboten, da Schöllkraut giftig ist und insbesondere bei unsachgemäßer Anwendung schwere Nebenwirkungen verursachen kann.
Historische Nutzung und heutige Anwendungsgebiete
Schon in der Antike wurde Schöllkraut vielfältig eingesetzt. Dioskurides und Plinius berichteten von seiner Verwendung bei Augenleiden, und auch Hildegard von Bingen erwähnte es. Im Mittelalter wurde es oft als mystische Pflanze betrachtet, die Schutz vor bösen Geistern bieten sollte.
Heutzutage findet Schöllkraut vor allem Anwendung in folgenden Bereichen:
- Warzenbehandlung: Dies ist die bekannteste und traditionellste äußerliche Anwendung. Der frische Milchsaft des Schöllkrauts wird direkt auf die Warze aufgetragen. Seine antiviralen und zellteilungshemmenden Eigenschaften sollen helfen, die Warzen aufzulösen. Hierbei ist größte Vorsicht geboten, dass der ätzende Saft nicht auf die umliegende gesunde Haut gelangt. Es gibt auch fertige Cremes und Tinkturen auf Schöllkrautbasis für diesen Zweck.
- Verdauungsbeschwerden: Innerlich wird Schöllkraut traditionell bei krampfartigen Beschwerden der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts eingesetzt. Es soll den Gallenfluss anregen und schwach krampflösend wirken. Es ist oft Bestandteil von pflanzlichen Kombinationspräparaten, die auf den Verdauungstrakt wirken, z.B. bei Verdauungsstörungen, Gallenfunktionsstörungen, Verstopfung und Blähungen.
- Augenreizungen (homöopathisch/anthroposophisch): In der Homöopathie und Anthroposophie finden spezielle Schöllkraut-Präparate (z.B. Augentropfen) Anwendung bei trockener Bindehautentzündung und Ermüdungszuständen der Augen, um die Tränensekretion anzuregen.
Wichtige Inhaltsstoffe
Die Wirksamkeit des Schöllkrauts beruht hauptsächlich auf seinen zahlreichen Alkaloiden vom Benzylisochinolin-Typ. Dazu gehören unter anderem:
- Chelidonin
- Coptisin
- Sanguinarin
- Chelerythrin
- Berberin
Diese Alkaloide verleihen dem Schöllkraut seine pharmakologischen Eigenschaften wie krampflösende, entzündungshemmende, antimikrobielle und antivirale Wirkungen. Neben den Alkaloiden enthält die Pflanze auch Flavonoide, organische Säuren (z.B. Apfel-, Zitronen- und Chelidonsäure) und Kaffeesäurederivate.
Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen
Trotz seiner traditionellen Anwendung ist Schöllkraut stark giftig und birgt erhebliche Risiken, insbesondere bei unsachgemäßer oder übermäßiger innerlicher Anwendung.
- Lebertoxizität: Dies ist die größte Sorge bei der innerlichen Anwendung. Schöllkraut steht im Verdacht, dosisabhängig Leberschäden (von erhöhten Leberenzymwerten bis hin zu Hepatitis und in seltenen Fällen Leberversagen) zu verursachen. Seit den 1990er Jahren gab es vermehrt Berichte über solche Fälle. Daher wird von der Einnahme bei bestehenden oder früheren Lebererkrankungen dringend abgeraten. Auch bei gleichzeitiger Einnahme anderer leberschädigender Medikamente ist Schöllkraut kontraindiziert. Bei Anzeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung der Haut/Augen, dunkler Urin, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust) muss die Einnahme sofort beendet und ein Arzt aufgesucht werden.
- Magen-Darm-Beschwerden: Das Verschlucken von Pflanzenbestandteilen kann zu schweren Reizungen des Magen-Darm-Trakts führen, mit Symptomen wie Magenschmerzen, Brennen, Erbrechen, blutigen Durchfällen und schmerzhaften Koliken.
- Äußerliche Anwendung: Auch bei der äußerlichen Anwendung, z.B. gegen Warzen, ist Vorsicht geboten. Der Saft ist ätzend und sollte nicht auf gesunde Haut gelangen, da dies zu Hautreizungen führen kann.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Schöllkraut sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.
- Kinder: Für Kinder unter 6 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, daher sollte eine Anwendung hier vermieden werden.
- Eigenanwendung: Aufgrund der Giftigkeit und der potenziellen Nebenwirkungen wird dringend von der Eigenherstellung und Selbstmedikation mit Schöllkraut-Produkten abgeraten. Fertigpräparate sollten nur nach ärztlicher Rücksprache und unter strenger Beachtung der Packungsbeilage verwendet werden.
Fazit:
Schöllkraut ist eine traditionelle Heilpflanze mit potenziellen Wirkungen, insbesondere bei Warzen und Verdauungsbeschwerden. Aufgrund seiner Toxizität und der Gefahr von Leberschäden sollte die Anwendung jedoch äußerst vorsichtig erfolgen und idealerweise unter fachkundiger Aufsicht oder mit apothekenpflichtigen Fertigpräparaten. Von der eigenmächtigen innerlichen Anwendung frischer Pflanzenbestandteile wird dringend abgeraten.